"Und wenn es nur ist, ein Hakenkreuz wegzuwischen..." |
Max Mannheimer führt Jugendliche durch die KZ-Gedenkstätte Dachau |
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"Ich möchte den jungen Leuten die damalige Zeit näher bringen. Nicht als Ankläger, nicht als Richter. Sondern wirklich nur als Zeuge der Zeit." So ernst diese Worte Max Mannheimers sind, so herzlich sind jene, die er beim Empfang einer internationalen Jugendgruppe findet. "Sind Chinesen unter euch?" Ein Mädchen meldet sich. "Tschim, Tscham, Tschum!", begrüßt er sie auf "Chinesisch". Und mit vorgehaltenem Mund erklärt er den anderen schelmisch: "Das war aber Tschechisch!" Die meisten der 16-, 17-jährigen besuchen zum erstenmal eine KZ-Gedenkstätte. Sie blicken erstaunt auf den 81 Jahre alten Herrn, der sie über das Gelände führen soll. Dass er ein Überlebender des Holocaust ist, wissen sie. Was sie erwartet, nicht.
Die erste Station ist das Museum. Mannheimer erklärt die geschichtlichen, politischen und gesellschaftlichen Hintergründe für den Aufstieg Hitlers und der Nationalsozialisten. Dabei verteilt er "fifteen points" bei richtigen Antworten der Jugendlichen auf Wissensfragen. Der ehemalige Häftling nimmt sich Zeit, um die historischen Fakten durch persönliche Erlebnisse zu veranschaulichen. Den 22-minütigen Film über das KZ Dachau sieht er sich nicht mit an, zieht es vor, "draußen" zu warten.
Mannheimer kennt die Wahrheit, wie er sagt, "die einzige Wahrheit": Sechs seiner acht engsten Familienangehörigen wurden von den Nazis ermordet: Eltern, Ehefrau, Schwester, zwei Brüder. Er selbst überlebte mehrere Konzentrationslager, darunter Auschwitz. In Dachau war er "nur" für kurze Zeit interniert.
Der Bunker ist die zweite Station. Die Jugendlichen sind noch kreidebleich und mitgenommen von dem Film. Manche von ihnen umarmen sich gegenseitig tröstend. Mannheimer gönnt ihnen keine Verschnaufpause. Im Gegenteil. Er schickt sie nach einer kleinen Einführung durch den Bunker, den damaligen zentralen Ort des Terrors. Hier wurden Häftlinge gequält, gefoltert und ermordet.
Vielen anderen Besuchern an diesem Tag begegnet der ehemalige Häftling offen und neugierig, immer mit der gleichen Frage "Woher kommen Sie?", "Where do you come from?" Aha, da sei er auch schon gewesen. Nein, da nicht, aber in der näheren Umgebung. Mannheimer ist viel in der Welt gereist, spricht englisch, tschechisch, serbisch, kroatisch, polnisch, russisch, "ein bißchen italienisch und französisch", trotz spanischer Vorfahren "leider kein Spanisch". Weiß aber auch das dänische Wort für Moped ("knallert"). Es macht ihm Spaß, sich in diesen vielen Sprachen zu unterhalten. Sein Rat an die Jugend: "Wichtig ist es, ins Ausland zu gehen, anderen zu begegnen und Sprachen zu lernen."
Die Jugendlichen verlassen den Bunker. Mannheimer dirigiert sie zum "Jourhaus", ursprünglich der Eingang des Konzentrationslagers. Hier befindet sich das Eisentor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei". Die strahlende Sonne, die hohen satt-grünen Bäume und dichten Gebüsche, die kleine Brücke auf der anderen Seite des Tores - alles wirkt so idyllisch. Mannheimer schildert den Alltag der Häftlinge. Doch in solch einer Umgebung ist das nur schwer vorstellbar.
Die nächste Ziel ist das Krematorium, ein ganzes Stück vom Jourhaus entfernt. Die jungen Leute lassen unterwegs ihren Gedanken freien Lauf. "Ich finde es klasse, dass er das macht. Und bin überrascht, wie locker und humorvoll er ist. Ich kann mir das gar nicht so richtig vorstellen: der Mann hat so Schreckliches erlebt. Und dann kommt er wieder hierher und führt die Leute. Das ist bemerkenswert!", sagt ein Jugendlicher. |
Als Mannheimer vor dem alten Krematorium die medizinischen Versuche des KZ-Arztes Dr. Rascher plastisch schildert, reagieren die Zuhörer entsetzt. Und so wirken die kurzen Aufenthalte in der evangelischen Versöhnungskirche und der katholischen Kirche im Karmeliterinnen-Kloster wie eine Erlösung. Max Mannheimer verabschiedet sich vielsprachig von den Austauschschülern, mit der Hoffnung, etwas bei ihnen bewirkt zu haben. |
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"Ich möchte sie motivieren, insbesondere jetzt, bei dem Wiederaufleben der Nazis, dagegen etwas zu tun, aktiv zu werden, die Demokratie zu stärken. Und sei es nur, um ein Hakenkreuz wegzuwischen. Das ist schon etwas. Denn unter diesem Symbol sind mehr als 50 Millionen Opfer zu beklagen." |
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